Wie wird es behandelt?

Da die unterentwickelten Hoden der Betroffenen selbst kaum Testosteron produzieren, ist die Hormonersatztherapie die grundlegende Behandlungsmethode.

Der größte Teil der körperlichen und psychischen Auswirkungen des Testosteronmangels kann durch eine individuell angepasste medikamentöse Behandlung mit Testosteron deutlich gebessert oder ganz vermieden werden. Heilbar ist das Klinefelter-Syndrom dadurch trotzdem nicht, da es sich um eine angeborene Chromosomenfehlverteilung handelt.

Testosteron steht als Medikament in Form von Spritzen, Gelen oder Pflastern zur Verfügung. Es stehen zwei verschiedene Arten von Spritzen zur Verfügung: Testosteron-Depot-Spritzen, die im Abstand von 2 bis 3 Wochen, sowie Langzeit-Depot-Spritzen, welche im Abstand von 2 bis 3 Monaten verabreicht werden. Die Gele werden täglich aufgetragen, z.B. auf die Oberarme. Die Pflaster werden alle zwei Tage erneuert.

Tabletten werden heute kaum noch angewendet, da Testosteron im Verdauungstrakt zum Großteil zerstört wird und nicht besonders gut verträglich ist.

Welche Form für den Betroffenen die richtige ist, entscheidet ein guter Arzt in enger Zusammenarbeit mit seinem Patienten, da nicht jeder alle Formen gleich gut verträgt oder eine zufriedenstellende Wirkung erreicht.

Ganz wichtig ist die sorgfältige Einstellung der erforderlichen Dosis. Testosteron hat eine sehr breite Streuung bei den Normalwerten im Blut, d.h. bei zwei richtig eingestellten Betroffenen können die Dosierungen durchaus um den Faktor 3 auseinanderliegen.

Gerade die Ersteinstellung sollte daher nur ein erfahrener Therapeut durchführen. Im Idealfall ist das ein(e) Androloge/in oder (Kinder- und Jugend-)Endokrinologe/in, der/die viele Patienten mit dem Klinefelter-Syndrom behandelt.

Ziel jeder Behandlung ist es, einen ausgewogenen Hormonhaushalt zu gewährleisten, um dem Betroffenen langfristig ein möglichst beschwerdefreies Leben zu ermöglichen. Neben der Behandlung mit Testosteron können im Einzelfall auch zusätzliche Medikamente nötig sein.