Kinderwunsch und Klinefelter-Syndrom

Bis vor kurzem war die Diagnose Klinefelter-Syndrom zwangsläufig mit Zeugungsunfähigkeit verbunden. Ein bestehender Kinderwunsch war nur durch Adoption oder Einsatz von Spendersamen zu erfüllen.

Bei der gezielten Erforschung des Klinefelter-Syndroms in den letzten Jahren fanden die Wissenschaftler bei sehr vielen Heranwachsenden Spermien. Zwar tauchen diese häufig nicht im Ejakulat auf aber mit einer Hodenbiopsie (operative Entnahme von Hodengewebe) lassen sie sich gewinnen und zur künstlichen Befruchtung nutzen.

Diese Entnahme muss frühzeitig erfolgen, möglichst bevor eine Hormontherapie überhaupt begonnen wurde, da die Hormonersatztherapie im Gegensatz zur körpereigenen Hormonproduktion die spermienbildenden Zellen schnell deaktiviert.

Es ist also am besten, wenn die Eltern bei ihrem Sohn schon im Teenageralter die Spermiengewinnung veranlassen. Die Spermien können dann tiefgefroren viele Jahre gelagert werden, bis im Erwachsenenalter in einer Partnerschaft der Kinderwunsch aktuell wird.

Im Erwachsenenalter ist die Chance fertile Spermien zu finden deutlich vermindert. Soll dennoch eine Hodenbiopsie im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung durchgeführt werden, muss die Hormonersatztherapie eine Zeitlang unterbrochen werden.

Die moderne Reproduktionsmedizin hat heute so fein entwickelte Techniken, dass es möglich  ist, nach einer stimulierenden Hormonbehandlung, der Frau mehrere reife Eizellen zu entnehmen und außerhalb des weiblichen Körpers gezielt zu befruchten. Bei der ICSI genannten Methode wird unter dem Mikroskop mit einer winzigen Kapillare das Spermium direkt in die Eizelle injiziert. So reichen auch unbewegliche Spermien oder sogar deren Vorstufen für eine künstliche Befruchtung aus. Die befruchtete Eizelle wird einige Zeit in einem Nährmedium „bebrütet“ und erst wenn mehrere erfolgreiche Zellteilungen stattgefunden haben, wird der winzige Fötus zurück in die Gebärmutter der Frau gesetzt.