Aus aktuellem Anlass - Richtigstellung zum Film XXY

 


Lieber Besucher unserer Homepage,

 

vielleicht haben Sie den Weg auf diese Seite gefunden, als sie nach Informationen zum Film „XXY“ der argentinischen Regisseurin Lucía Puenzo suchten, der am 26.6.2008 in vielen Deutschen Kinos startete.

Wir haben festgestellt, dass beim Publikum durch den Film, seinen unglücklich gewählten Titel und seine Darstellung in der Presse, ein völlig falsches Bild entsteht.
 

Etliche Redakteure schreiben sinngemäß, dass Alex, die Hauptperson des Films, zwischengeschlechtlich geboren wurde, also männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale hat, weil sie einen abweichenden Chromosomensatz von XXY habe, aber genau dies ist nicht der Fall!
 

Alex ist genetisch eine Frau mit normalem Chromosomensatz 46,XX. Sie ist vom Adrenogenitalen-Syndrom, AGS betroffen. Die Ursache dafür ist eine angeborene Funktionsstörung der Nebennierenrinde und keine Chromosomen-Anomalie.
 

Frau Puenzo hat nach eigenen Angaben ihren Filmtitel „XXY“ nur als Metapher für das Leben zwischen den Geschlechtern gewählt, ohne damit den Chromosomensatz XXY zu meinen.


Tatsächlich gibt es die Chromosomenverteilung 47,XXY, das so genannte Klinefelter-Syndrom. Aber dieses Syndrom führt nie zu uneindeutig ausgeprägten Geschlechtsorganen. Die betroffenen Menschen werden zweifelsfrei als Jungen geboren. Bei ihnen wurde oder wird keine Angleichung der Genitalien in welcher Form auch immer durchgeführt!


Etwa jeder 600ste bis 1000ste Mann ist Träger dieser Chromosomenanomalie. In Deutschland leben etwa 80.000 KS-Träger, aber nur die wenigsten wissen davon. Nur etwa 6000 erhielten irgendwann im Laufe ihres Lebens die Diagnose Klinefelter-Syndrom. Das bedeutet in über 90% der Fälle führen die Betroffenen ein oft ganz unauffälliges Leben als Mann.

Nach aktueller Einschätzung gilt das Klinefelter-Syndrom an sich weder als Behinderung, noch als Krankheit.

Das Klinefelter-Syndrom steht einem selbst bestimmten Leben als Mann in den meisten Fällen in keiner Weise entgegen!


Trotzdem kann es unter Umständen als Begründung für einen Schwangerschaftsabbruch herangezogen werden. Die sachlich falschen Besprechungen des Films „XXY“ könnten dazu beitragen, dass sich werdende Eltern eines Klinefelter-Kindes grundlos zu diesem fatalen Schritt entschließen!
 

Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass es ganz ohne Auswirkung auf das Leben der Betroffenen wäre: Das zusätzliche X-Chromosom beeinflusst die Entwicklung der männlichen Keimdrüsen negativ, die Hoden bleiben klein und produzieren das männlichen Sexualhormon Testosteron nur unzureichend.

Dieser Testosteronmangel ist die eigentliche Ursache für eine Reihe von Beschwerden und Spätfolgen, die auftreten können, aber keineswegs müssen:

  • Die Pubertät vollzieht sich nur verzögert oder unvollständig und damit die Vermännlichung. Knochen und Muskelaufbau und damit die körperliche Leistungsfähigkeit sind vermindert, im Lauf des Lebens entwickelt sich daraus häufig eine Osteoporose.

  • Es kann sich eine Gynäkomastie, eine der weiblichen ähnliche Brustform entwickeln. Diese hat aber nichts mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen im Sinne eines „Hermaphroditen“ zu tun.

  • Libido und Potenz können vermindert sein

  • Fast alle Klinefelter-Betroffenen haben eine stark eingeschränkte oder gar keine Spermienproduktion, bleiben daher auf natürlichem Weg kinderlos.

Bis auf diesen letzten Punkt lassen sich die anderen Probleme durch die medikamentöse Gabe von Testosteron ganz beheben, oder deutlich vermindern. Auch die Auswirkungen auf die Psyche, wie häufige Müdigkeit, Antriebsarmut und Kontaktschwäche verbessern sich entscheidend.

Für ein optimales Ergebnis ist es wichtig, dass die Betroffenen frühzeitig erkannt und dann ausreichend mit Testosteron behandelt werden können.


Dafür setzt sich bundesweit die Deutsche Klinefelter Syndrom Vereinigung e.V. ein.


Wenn Sie mehr zu diesem Thema wissen möchten, lesen Sie weiter auf unserer umfangreichen Homepage oder wenden Sie sich an unser Info-Telefon 0700-999 47 999.

 

Betroffen? XXY-ungelöst...

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